Haben Männer keine Eier mehr?

Ein Forderungskatalog an die Damenwelt ist heutzutage ziemlich lang und der Druck ist dementsprechend groß. Das muss man ganz klar sagen. Man soll fit sein, jung bleiben oder (wie „Standup-Comedy“ es beschreibt) eine Frau muss „fickable“ bleiben. Sie soll ein abgschlossenes Studium haben, Vollzeit arbeiten und dabei eine „Friede, Freude, Eierkuchen“-ausstrahlende und auf Facebook vorzeigbare Familie mit drei Kindern haben. Nach der Geburt bloß kein Übergewicht haben, sonst sei man faul, man liebe sich selbst nicht, denn die dürren, bis zum abwinken gephotoshoppten Models behaupten auf den Seiten der zahlreichen Frauenmagazine „Anything is possible“. Und wehe, Sie geben zu, dass Sie müde sind und/oder eine Auszeit von ihren Kindern brauchen. DANN IST ES ENDGÜLTIG VORBEI! „Rabenmutter“ ist das Diplomatischste, was Sie zu hören bekommen würden. Gute Laune nicht vergessen und SMIIIILEE!

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In diesen von „Political Corectness“ besoffenen Zeiten ist es auch nicht so einfach, ein Selbstverständnis als Mann zu finden. (Ein) Man(n) soll lieb sein, seine feminine Seite entdecken oder zumindest versuchen, abspülen helfen, nicht fluchen, bloß nicht „Ficken“ sagen, keinesfalls besoffen nach Hause kommen, die Fernbedienung abgeben, zusammen mit der Herzallerliebsten „Germany’s Next Topmodel“ suchen (dabei keine Kandidatin anziehend oder attraktiv finden), den Müll raustragen, aber bitte fit und athletisch sein und –na klar – ein guter Liebhaber soll man natürlich sein.

Wenn man es sich vor Augen hält, was in der Gesellschaft eigentlich vor sich geht, hat man ein wenig das Gefühl, dass die Rollen getauscht werden. Frauen übernehmen immer öfter die Männerrolle, während metrosexuelle Männer die Waffen strecken und zu Clutch Bag tragenden Statisten degradieren. Alle verwechseln auf einmal die Gleichberechtigung mit dem „Gentleman sein“. Wikipedia behauptet: „Gleichstellung der Geschlechter ist der Prozess tatsächlicher Gleichstellung von Geschlechtern in rechtlicher Hinsicht und im Hinblick auf ihr persönliches und berufliches Entfaltungspotential in einer Gesellschaft.“ Und NEIN, das impliziert nicht, dass ein Mann die Tür nicht aufhalten sollte, dass er nicht seine Jacke anbieten sollte, wenn die Dame friert, oder nicht ein einfaches Kompliment sagen sollte. Wenn man durch die Profile männlicher Kandidaten auf irgendeiner Partnerbörse durchblättert, findet man solche Statements wie „Wer matcht zuletzt, scheibt zuerst“ (Bist du 12j.?) oder „Borned and raised in Berlin“ (Hä? Geboren und aufgewachsen in Berlin und hat für 30 Jahre es nicht mal geschafft, die deutsche Sprache zu lernen? Oder ist es eine HIPSTER-Variante? Der „hipster“ war in diesem Fall 30j., agierte aber wie ein unreifer, verzweifelter Teenager) oder „Don’t waste my time, girls! Überlegt Euch gut, was ihr schreibt, denn nicht jede kriegt ein Like von mir.“ Bei dem letzteren reicht „What The F..ck?“ nicht, da wäre „What The F..cking F..ck?“ angemessener.

Am meisten aber vermisse ich persönlich ANSTAND und RESPEKT einer Frau gegenüber. Dass die heutige Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten überhaupt einen Raum für die Entstehung solcher Begriffe bietet, wie Ghosting und Tuning… Ein kleiner Auszug aus der Wikipedia:“Unter dem Begriff „Ghosting“ versteht man in einer Partnerschaft einen vollständigen Kontakt- und Kommunikationsabbruch ohne Vorwarnung. Obwohl vorher Dates stattgefunden oder eine Beziehung bestand, laufen plötzlich jegliche Kontaktversuche ins Leere“. „Tuning“ ist ein Versuch zu flirten, der hauptsächlich online stattfindet. Tuner liken mehrere Bilder on Social Media oder schreiben nette Nachrichten auf Whatsapp, starten aber niemals einen Versuch die Person tatsächlich zu treffen, sie halten einen hin und können den Flirt jederzeit abstreiten. Warum entstehen solche Phänomene? Sind das Auswüchse der Gesellschaft/der Generation Y oder verlangen wir, Frauen, einfach zu viel von Männern (s.oben)? Vielleicht wäre es eine gute Idee, ihm mehr Anlässe zu geben, sich als Mann zu fühlen und weder seine „Aufgaben“, noch seine Rolle zu übernehmen? Vielleicht werden dann Männer wieder genug Eier haben, um es offen und ehrlich zu gestehen, falls sein Interesse an einer Frau nicht besteht bzw. verloren gegangen ist. Und nicht einfach so feige sein und sich aus dem Staub machen. Es gibt keinen Urlaub von „MANN sein“: Ein Macho, wenn man eine Frau erobern möchte und ein Weichei, wenn es darum geht, ihr mitzuteilen, dass es vorbei ist, dass man keine Lust mehr hat, dass man eine andere hat oder was auch immer! Nicht zu fühlen/wollen ist LEGITIM, einen bewusst zu verletzen – NICHT. Silence is better than bullshit, das stimmt, jedoch ist die harte Wahrheit immer besser, als die sanfte Lüge. Das Leben ist so einfach und so kurz: Wenn du liebst, sag es! Redet miteinander, liebt einander, nimmt Rücksicht auf einander, auch wenn man sich nicht (gut) kennt. Lieber etwas riskieren, als ewig bereuen, sich nicht getraut zu haben.