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Work-Life Balance: Ein Mythos?

Paradox unserer Zeit: So wenig gearbeitet wie heute haben die Menschen noch nie. Und doch wird es immer mehr darüber gejammert, dass Menschen vor lauter Arbeit nicht mehr zum Leben kommen. Work-Life-Balance ist Bullshit! Das ist eine leere Formel, die uns in die Irre führt. Sie suggeriert uns, dass Arbeit und Leben zwei verschiedene, getrennte Welten wären. In der einen mühen wir uns sinnlos ab, in der anderen verwirklichen wir uns selbst. Doch das ist Unsinn: Arbeit IST ein Teil des Lebens, ob uns das passt oder nicht. Es geht nicht um gnadenlose Leistungsgesellschaft, doch wir brauchen die Arbeit für ein gutes Leben.Allerdings gute Arbeit, Arbeit, die uns bereichert und erfüllt. Ein Job kann völlig in Ordnung sein in dem Sinne, dass wir anständig behandelt werden, nicht in gesundheitsschädlichen Stress versinken oder von anderen gemobbt werden. Und doch befriedigt uns die Arbeit nicht, sie bringt uns nicht weiter, wir treten gleichsam auf der Stelle. Wir sollten anspruchsvoller sein, als bloß die Einhaltung des Minimalstandards zu fordern. Gute Arbeit ist viel mehr als bloß "akzeptable" Arbeit. Wir brauchen Arbeit, die wesentlich zur Entfaltung unserer Fähigkeiten beiträgt - und somit auch zu einem guten Leben. Gute Arbeit bietet die nötigen Kriterien und Standards sowie jene Probleme und Herausforderungen, an denen wir unsere Fähigkeiten messen können. Menschen wollen ihre Fähigkeiten zur Geltung bringen, und sie ziehen umso mehr Befriedigung daraus, je größer ihre Fähigkeiten sind. Gute Arbeit ist daher eine wesentliche Bedingung für unsere Selbstachtung. Es hat einen tiefen Grund, warum arbeitslose Menschen oft unglücklich sind. Der Grund ist nicht, dass sie kein Geld haben, sondern dass ihnen sie Arbeit fehlt. Nach einem Jobverlust klagen viele Menschen über den Wegfall der Strukturen, sie fühlen sich überflüssig und wertlos, selbst wenn es andere Dinge gibt, die ihnen Freude bereiten. Wie hoch der Stellenwert der Arbeit ist, zeigt sich auch daran, dass Menschen oft selbst nicht kündigen, wenn sie eigentlich gar nicht arbeiten müssen: Umfragen zeigen, dass nur 15 Prozent der Deutschen nach einem Jackpot-Gewinn ihren Job aufgeben würden. Arbeit ist eben nicht nur ein Mittel, den Lebensunterhalt zu verdienen. Sie erzeugt auch innere Werte, die zu einem guten Leben beitragen. Sie formt unsere Identität, sie vermittelt Anerkennung, sie schafft Vertrauen, soziale Beziehungen, sie stärkt unsere Fähigkeit zur Kooperation. Und das Problem ist, dass nur wenige von uns dieser Art von Arbeit nachgehen. Viele arbeiten aus Bequemlichkeit, Gewohnheit oder aus Frucht vor neuen Herausforderungen. Die Verantwortung liegt aber nicht bei Unternehmen, sondern immer wieder BEI UNS. If you don't like where you are standing, change it. You are not a tree.